Jetzt zurückschneiden?
Wenn die letzten Blüten verschwinden, greifen viele Hobbygärtner zur Gartenschere. Doch wer seine Stauden im Herbst stehen lässt, schützt Insekten, bietet Vögeln wertvolle Nahrung und schafft einen lebendigen Wintergarten.
Verblüht? Kann weg? Bitte nicht!
Der Herbst ist da und mit ihm beginnt für viele Gartenbesitzer die große Aufräumaktion. Verblühte Stauden werden abgeschnitten, trockene Stängel entfernt und Beete für den Winter vorbereitet. Schließlich soll der Garten ordentlich aussehen.
Doch was für uns Menschen vielleicht etwas unaufgeräumt wirkt, ist für viele Tiere überlebenswichtig.
Wir von WIR SIND GARTEN® empfehlen deshalb: Lasst eure Stauden im Herbst und Winter möglichst stehen und verschiebt den Rückschnitt auf das Frühjahr!
Denn verblühte Stauden sind keineswegs nutzlos. Ihre Stängel, Blätter und Samenstände erfüllen auch nach der Blüte wichtige ökologische Funktionen.
Sie bieten Insekten Winterquartiere, versorgen Vögel mit Nahrung und schützen den Boden sowie die Pflanzen selbst vor winterlicher Witterung.
Wer jetzt zur Gartenschere greift, entfernt möglicherweise viel mehr als nur vertrocknete Pflanzenteile.
1. Stauden sind wertvolle Winterquartiere für Insekten
Viele Insekten verbringen den Winter gut versteckt in unseren Gärten. Manche überwintern als Ei, andere als Larve, Puppe oder erwachsenes Tier.
Dafür benötigen sie geschützte Strukturen, die sie vor Kälte, Wind und Feuchtigkeit bewahren.
Genau diese finden sie unter anderem in abgestorbenen Pflanzenstängeln, zwischen trockenen Blättern und in der bodennahen Vegetation.
Einige Wildbienenarten nutzen beispielsweise markhaltige oder hohle Pflanzenstängel als Nistplätze. Ihre Nachkommen entwickeln sich darin und können je nach Art bis ins folgende Jahr in den Stängeln verbleiben.
Andere Insekten nutzen die Pflanzenreste als geschützte Rückzugsräume.
Wer im Herbst sämtliche Stauden bodennah abschneidet und die Pflanzenreste entsorgt, kann damit auch überwinternde Insekten und ihre Entwicklungsstadien beseitigen.
Besonders wertvoll sind deshalb naturnahe Staudenbeete, in denen abgestorbene Pflanzenstrukturen über den Winter erhalten bleiben.
Was für uns ein vertrockneter Stängel ist, kann für ein Insekt ein überlebenswichtiges Zuhause sein.
2. Samenstände sind ein natürliches Winterbuffet für Vögel
Nicht nur Insekten profitieren davon, wenn wir unsere Stauden stehen lassen.
Auch viele Gartenvögel freuen sich über die natürlichen Nahrungsquellen, die verblühte Pflanzen bieten.
Besonders samenfressende Vogelarten wie Stieglitze, Grünfinken und andere Finken nutzen die Samenstände verschiedener Wildpflanzen und Gartenstauden.
Die Wilde Karde ist beispielsweise eine wertvolle Nahrungspflanze für Stieglitze. Auch Sonnenblumen, Disteln und andere samenreiche Pflanzen können im Herbst und Winter interessante Futterquellen sein.
Wer diese Pflanzen frühzeitig zurückschneidet, entfernt gleichzeitig einen Teil des natürlichen Nahrungsangebots.
Dabei ist es gerade in der kalten Jahreszeit wichtig, dass Vögel ausreichend Nahrung finden.
Ein naturnaher Garten mit unterschiedlichen Samenständen, heimischen Gehölzen und beerentragenden Sträuchern kann deshalb einen wichtigen Beitrag zur Versorgung unserer gefiederten Gartenbewohner leisten.
Und ganz nebenbei gibt es kaum etwas Schöneres, als im Winter einen Stieglitz zu beobachten, der geschickt die Samen aus einer vertrockneten Karde pickt.
3. Abgestorbene Pflanzenteile schützen die Stauden vor Frost
Auch für die Pflanzen selbst kann es vorteilhaft sein, wenn ihre oberirdischen Teile über den Winter erhalten bleiben.
Viele Stauden ziehen sich im Herbst in ihre unterirdischen Überdauerungsorgane zurück. Die oberirdischen Triebe sterben ab, während die Pflanze im Boden auf den nächsten Frühling wartet.
Abgestorbene Stängel und Blätter können dabei eine natürliche Schutzschicht bilden.
Sie bremsen kalten Wind, halten Schnee zurück und können dazu beitragen, starke Temperaturschwankungen im unmittelbaren Pflanzenbereich abzumildern.
Besonders bei empfindlicheren Stauden ist es deshalb sinnvoll, den Rückschnitt erst im Frühjahr vorzunehmen.
Auch der Gartenboden profitiert: Pflanzenreste schützen die Oberfläche vor direkter Witterung und liefern bei ihrer Zersetzung organisches Material.
Ein vollständig leergeräumtes Staudenbeet ist dagegen Wind, Regen und Frost stärker ausgesetzt.
4. Ein Wintergarten darf auch schön aussehen!
Wer glaubt, ein Garten könne nur mit bunten Blüten schön aussehen, sollte sich seine Stauden einmal an einem frostigen Wintermorgen anschauen.
Wenn Raureif die vertrockneten Blütenstände von Sonnenhut, Fetthenne und Schafgarbe überzieht, entstehen faszinierende kleine Kunstwerke.
Gräser bewegen sich im Wind, Samenstände zeichnen filigrane Silhouetten und die tief stehende Wintersonne lässt abgestorbene Pflanzenteile in warmen Farben leuchten.
Ein naturnaher Garten besitzt eben nicht nur im Frühling und Sommer seinen Reiz.
Gerade im Winter zeigen sich die unterschiedlichen Strukturen besonders eindrucksvoll.
Wer Stauden stehen lässt, schafft deshalb nicht nur Lebensräume, sondern erhält auch die gestalterische Vielfalt seines Gartens.
Welche Stauden solltest du besonders gerne stehen lassen?
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Grundsätzlich lohnt es sich, möglichst viele standfeste Stauden über den Winter zu erhalten.
Besonders interessant sind beispielsweise:
- Purpursonnenhut (Echinacea): Seine markanten Samenstände bleiben häufig lange erhalten und bieten eine schöne Winterstruktur.
- Fetthenne (Hylotelephium): Die kräftigen Blütenstände sehen selbst mit Raureif noch attraktiv aus.
- Wilde Karde: Ihre Samen sind unter anderem bei Stieglitzen beliebt.
- Schafgarbe: Die trockenen Blütenstände bereichern den Wintergarten und bieten zusätzliche Strukturen.
- Königskerze: Ihre hohen, trockenen Stängel können wertvolle Lebensräume für Insekten darstellen.
- Wilde Möhre: Ihre charakteristischen Samenstände sind auch nach der Blüte ein Blickfang.
- Ziergräser: Sie geben dem Garten Struktur und bieten vielen Kleintieren geschützte Bereiche.
Wichtig ist dabei nicht nur die Auswahl einzelner Pflanzen. Je vielfältiger die Strukturen im Garten sind, desto mehr unterschiedliche Lebensräume entstehen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Rückschnitt?
Der ideale Zeitpunkt für den Rückschnitt vieler Stauden liegt im zeitigen Frühjahr, bevor der neue Austrieb richtig beginnt.
Je nach Witterung und Region kann das bereits im März oder erst im April sinnvoll sein.
Allerdings gibt es aus Sicht des Insektenschutzes eine wichtige Besonderheit: Nicht alle Tiere verlassen ihre Winterquartiere gleichzeitig.
Einige Wildbienen entwickeln sich noch in alten Pflanzenstängeln, wenn die ersten Stauden bereits wieder austreiben.
Deshalb empfiehlt es sich, beim Rückschnitt möglichst behutsam vorzugehen.
Schneide die trockenen Stängel nicht grundsätzlich direkt über dem Boden ab. Bei geeigneten, stabilen Stängeln kannst du unterschiedlich hohe Abschnitte von etwa 20 bis 50 Zentimetern stehen lassen.
Diese können später erneut als Nistmöglichkeiten dienen.
Abgeschnittene Stängel lassen sich außerdem locker an einer geschützten, trockenen Stelle im Garten ablegen oder aufrecht bündeln. So erhalten möglicherweise darin lebende Insekten noch die Chance, ihre Entwicklung abzuschließen.
Besonders wertvoll ist es, dauerhaft einige ungestörte Bereiche im Garten zu erhalten, in denen alte Pflanzenstängel auch über das Frühjahr hinaus stehen bleiben dürfen.
Kranke Pflanzenteile, beispielsweise bei starkem Pilzbefall, sollten allerdings je nach Erkrankung entfernt werden, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden.
Weniger aufräumen, mehr Artenvielfalt ermöglichen!
Ein naturnaher Garten muss nicht ungepflegt aussehen. Er darf sich aber im Laufe der Jahreszeiten verändern.
Im Frühling freuen wir uns über die ersten Blüten, im Sommer über summende Wildbienen und flatternde Schmetterlinge. Im Herbst und Winter übernehmen abgestorbene Pflanzenstrukturen wichtige Aufgaben.
Sie sind Teil eines natürlichen Kreislaufs, den wir mit etwas mehr Gelassenheit unterstützen können.
Deshalb unser Appell von WIR SIND GARTEN®:
Lasst eure Stauden jetzt stehen!
Gönnt den Insekten ihre Winterquartiere, den Vögeln ihre natürlichen Futterquellen und euren Pflanzen ihren winterlichen Schutz.
Und wenn euch im Herbst doch einmal der Drang überkommt, den Garten komplett aufzuräumen, denkt daran: In jedem trockenen Stängel könnte sich bereits das Leben des nächsten Frühlings verbergen.
Manchmal beginnt erfolgreicher Artenschutz ganz einfach damit, die Gartenschere liegen zu lassen.
🌿 WIR SIND GARTEN® – Wir machen dein Leben grüner!


